Traumatische Ereignisse bewältigen (Hilfe für Verhaltenstherapeuten und ihre Patienten

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Autor:

Anne Boos

Titel/Produkt:

Traumatische Ereignisse bewältigen (Hilfe für Verhaltenstherapeuten und ihre Patienten

btonline.de Beschreibung/Rezension:

Mit ihrem Buch „Traumatische Ereignisse bewältigen“ hat A. Boos einen Ratgeber für Menschen geschrieben, die unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTB) leiden, sowie für ihre Therapeuten. In einer klaren, verständlichen Sprache und anhand vieler Beispiele beschreibt sie ausführlich, was es bedeutet, wenn jemand nach einem Trauma solch eine Störung entwickelt, es geht um die Erklärung von Symptomen und Hilfen, wie man sich davon befreien kann.

Hat man ein Trauma erlebt, sind starke Gefühle wie Angst, Unruhe oder Schlafstörungen erst einmal normal, sogar ein Wiedererleben der Situation in Form von Flashbacks gehört oft dazu. Diese Akute Belastungsstörung wird hier ebenso wie andere psychische Folgen eines Traumas, z.B. Panikstörungen und soziale Phobien, von der PTB abgegrenzt. Wer Glück hat, bei dem bilden sich die Symptome in den ersten Wochen oder Monaten wieder zurück, doch viele Menschen werden sie nicht einfach wieder los. Jetzt leiden sie unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung. (Im Anhang gibt es eine Checkliste zu den Symptomen der PTB.)

Neben dem Teufelskreis aus Angst und Vermeidung geht es besonders ausführlich um Scham und Schuld. Wer die Schuld für ein Trauma nur bei sich sieht oder unter übertriebener Scham leidet, kann krank werden! Die Autorin beschreibt häufige Schuld- und Schamgefühle von Opfern und versucht, der betroffenen Person einen anderen Blick darauf zu ermöglichen. Mehrfach betont sie, wie viel es ausmachen kann, wie man sein Trauma bewertet: Es kann helfen, sein Denken über bestimmte Schuld- oder Schamgedanken zu verändern, um sich anders zu fühlen!

Das Buch beinhaltet zwei Kapitel von externen Autoren: Die Opferhilfe Sachsen stellt sich vor. Sie leistet Krisenintervention, Entscheidungshilfe beim weiteren Vorgehen und Unterstützung bei Vernehmungen sowie vor Gericht. Am Beispiel häuslicher Gewalt wird geschildert, wie hilfreich es für die Opfer sein kann, wenn Sozialarbeiter mit Therapeuten, Polizei und Justiz vernetzt sind.

Und ein Anwalt klärt darüber auf, was Opfer erwartet, die sexuelle Straftaten zur Anzeige bringen. Er beschreibt die Unterschiede in der Gesetzeslage bei erwachsenen oder minderjährigen Opfern und versucht den Weg von der Anzeige bei der Polizei über die Ermittlungen bis zum Urteilsspruch darzustellen. Es ist sicher wichtig für Betroffene, sich vorher damit zu befassen, was im Fall einer Anzeige auf sie zukommen könnte, allerdings finde ich das Kapitel für dieses Buch zu ausführlich. Von einem Juristen in seiner Sprache geschrieben, wimmelt es von Paragraphen und Fachausdrücken und ist meiner Meinung nach oft schwer verständlich für jemanden, der sich mit diesem Buch Informationen und Hilfe für seine Störung sucht.

Zum Schluss werden unterschiedliche Therapieformen angesprochen. Was sollte eine gute Therapie ausmachen? Für PTB-Patientinnen sei vor allen Dingen Verhaltenstherapie und EMDR (eine besondere, traumazentrierte Methode) sinnvoll, beide eng an den Symptomen und Spätfolgen der Traumatisierung ausgerichtet. Es wird von anderen Arten wie z.B. Hypnose, Analyse sowie tiefenpsychologischer Gesprächstherapie als einziger Behandlung abgeraten.

Obwohl der Titel anderes vermuten lässt, ist dieses Buch meiner Meinung nach mehr für Patienten als für Therapeuten, schon weil A. Boos die Betroffenen durchweg direkt anspricht. Neben Informationen über ihre Störung können viele Menschen, die an einer Posttraumatischen Belastungsstörung leiden, in den Übungen oder Arbeitsblättern sicher die eine oder andere Anregung finden, für sich selbst, oder um sie mit in die Therapie zu nehmen.