Depressiv?

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Autor:

Dr. Althaus, Prof. Dr. Hegerl & Herr Reiners

btonline.de Beschreibung/Rezension:

Dr. David Althaus, Prof. Dr. Ulrich Hegerl und Holger Reiners befassen sich in ihrem Buch „Depressiv?“ mit einer psychischen Erkrankung, die immer mehr zum Thema geworden ist. Eine Depression ist ähnlich wie ein Burn out-Syndrom in der Leistungsgesellschaft eher ein Tabu, aber es gibt dennoch immer mehr Menschen, die daran erkranken. Für Betroffene, ihre Angehörigen und auch andere Interessierte ist es hilfreich wenn darüber aufgeklärt und informiert wird.

Zunächst ist die spannende Zusammensetzung der Autoren zu erwähnen, die dazu beiträgt, dass das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet wird und das Buch dadurch zu etwas einzigartigem macht. Dr. Althaus ist Psychologe und Psychotherapeut, Prof. Dr. Hegerl ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Herr Reiners ist ein ehemaliger Betroffener, der die Erkrankung überwinden konnte und zusammen mit den beiden Anderen seine Erfahrungen berichtet. Es kann also suggeriert werden, dass diese drei Männer genau wissen, worüber sie schreiben, wenn sie sich mit der Thematik „Depression“ auseinandersetzen. Denn jeder von ihnen hatte/hat auf der einen oder anderen Weise  – beruflich oder persönlich – mit dieser Erkrankung zu tun.

Die Autoren haben sich für eine besondere Form der Darstellung entschieden. Es wurden 111 Fragen zum Thema Depression aufgegriffen und ähnlich wie in einem Interview von einer oder sogar zwei Personen beantwortet. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Fragen sorgfältig ausgewählt wurden, da es sich bei den Autoren um „Experten“ handelt. Für den an der Thematik interessierten Leser kann die eine oder andere Frage belanglos erscheinen, aber für Betroffene und ihre Angehörigen können diese enorm wichtig sein, denn das Verhalten von depressiven Personen ist ausgesprochen facettenreich, was vom Autorenteam immer wieder zum Ausdruck gebracht wird. Die Fragen sind unterschiedlichen Kategorien zugeordnet, z. B. „Psychotherapie“ oder „Depression und Arbeitswelt“, so dass ein umfassendes Bild dieser Erkrankung aufgezeigt wird. Alle Fragen werden am Anfang aufgelistet, so dass der Leser, in diesem Fall insbesondere ein Betroffener oder ein besorgter Angehöriger, mit einem kurzen Blick die Frage(n) findet, die ihn im Moment am meisten beschäftigt, und die Antwort darauf unverzüglich lesen kann. Die Antworten sind abhängig von der Frage mal kurz oder aber ausführlich gegeben, aber in jedem Fall für jeden verständlich und präzise geschrieben (auf komplizierte medizinische und psychologische Begriffe wird weitestgehend verzichtet). So fällt es auch nicht schwer mehrere Antworten nacheinander zu lesen und zu verstehen, was ein Vorteil gegenüber Fachbüchern ist, bei denen schnell das Gefühl eintritt nach wenigen Kapiteln oder sogar Absätzen den „roten Faden“ verloren zu haben.

Das Buch eignet sich als guter Einstieg und Überblick zum Thema „Depression“. Es spricht verständlicherweise hauptsächlich (mögliche) Betroffene und ihre Angehörigen an, die sich auf verschiedenste Fragen kompakte und meist eindeutige Informationen holen können. Obwohl das Buch sehr gelungen ist und mit über 100 Fragen die Thematik bereits umfassend beleuchtet, wäre weiterführende und ausführliche Literatur für an Depression Erkrankte in jedem Fall zum empfehlen, denn das Ratgeberwerk kann nicht den Beitrag leisten wie ein Fachbuch.

Obwohl Betroffene und /oder Personen, die den Eindruck haben, das sie betroffen sind, d.h. das sie bereits in einer Depression stecken oder das Gefühl haben eine zu entwickeln, geneigt sein können zu ihrem eigenen Arzt und Therapeuten zu werden, indem sie sich Informationen und Tipps wie z. B. druch das voliegende Buch holen, ist dennoch eine fachliche Unterstützung durch einen Therapeuten und moralische Hilfe beispielsweise durch Angehörige bei bestehender depressiver Erkrankung dringend angezeigt.

Insgesamt ein äußerst gelungenes und informatives Buch.