Achtsamkeit für Psychotherapeuten und Berater

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Autor:

Gerhard Zarbock, Axel Ammann, Silka Ringer

btonline.de Beschreibung/Rezension:

Schon Psychoanalytiker wie Carl Gustav Jung und Vertreter der humanistischen Psychologie wie Erich Fromm interessierten sich in den 60er Jahren für den Einsatz von Meditationstechniken und Achtsamkeit in der Psychotherapie. Nachdem John Kabat Zinn Ende der 70er Jahre an der von ihm gegründeten Stress Reduction Clinic das „Mindfulness based stress Reduction“ (MBSR) Programm zur Stressbewältigung entwickelte, fand das Achtsamkeitsprinzip den Weg in die moderne Verhaltenstherapie und die empirische Psychotherapieforschung. Seitdem wurden achtsamkeitsbasierte Programme wie die „Acceptance and Commitement Therapy“ von  … oder die „Dialektisch behaviorale Therapy“ zur Borderline Persönlichkeitsstörung von Lineham entwickelt und etabliert. Auch achtsamkeitsinformierte Programme wie…. haben sich in der Praxis bewährt und Achtsamkeit als unterstützendes Element in der Psychotherapie populär gemacht.
Achtsamkeit für Psychotherapeuten und Berater heißt das 2012 im Beltz Verlag erschienene Handbuch, das sich an berufliche Therapeuten und Berater aber auch für interessierte ehrenamtliche oder private „Helfer“ richtet. Gerhard Zarbock, Axel Ammann und Silka Ringer haben für dieses Buch einen achtwöchigen Achtsamkeitskurs – angelehnt an das MBSR-Programm – entwickelt, der auf das bewusste Erlernen von Achtsamkeit, ihre Übertragung in Alltag den Alltag und die anschließende Nutzung in der Therapie- oder Beratungssituation abzielt. Vor dem Hintergrund der oft hohen Arbeitsbelastung und des viel thematisierten Burnoutrisikos der helfenden Zunft schließen die Autoren hier eine lange überfällige Lücke auf dem deutschen Markt.
Inhaltlich gliedert sich das Buch in vier wesentliche Teile: Nach einer kurzen Einleitung zur Notwendigkeit von Ausgleich und Burnoutprophilaxe bei Helfenden führen die Autoren gut verständlich und wissenschaftlich fundiert in das Prinzip der Achtsamkeit ein. Die fünf Elemente der Achtsamkeit (Konzentrieren, Beobachten, Benennen, Nicht.Reagieren und Nicht-Benennen) werden erläutert und in Verbindung z.B. mit Forschung zum Selbst oder biopsychologischer Forschung gebracht. Nach dieser Vorbereitung folgt der Hauptteil des Buches, der Acht-Wochen-Kurs zum Selbstlernen grundlegender Achtsamkeitsfertigkeiten. Schritt für Schritt werden hier Methoden zur Erarbeitung der einzelnen Achtsamkeitselemente gezeigt und in einfachen Übungen, die stark an das MBSR angelehnt sind, vermittelt. Wichtig ist hierbei, dass die Atem-, Konzentrations-, Körper- und Meditationsübungen regelmäßig mindestens 45min täglich praktiziert werden sollen und ab der dritten Woche auch alltägliche Routinen achtsam ausgeführt werden. So schlägt eine Übung etwa vor, achtsam Tee zuzubereiten und zu trinken – eine Tätigkeit, die die meisten im Zeitalter des Multitaskings oft gedankenverloren und nebenbei ausführen. Nach der Erfahrung der Achtsamkeit im Alltag zeigt der Kurs wie auch im therapeutischen Kontext bewusst achtsam gehandelt werden kann. Eigene schnelle Gedanken und Bewertungen werden bewusst wahrgenommen, Belastungen werden losgelassen und der Gegenüber wird genauer und immer tolerant wahrgenommen. Sehr gelungen ist den Autoren die verständliche Beschreibung der Übungen, deren Nutzen meist schnell erklärt ist und die oft mit Beispielen, in denen man sich leicht wieder findet, an den Alltag  angelehnt sind. Der Kurs vermittelt gutes Grundwissen für eine moderne Achtsamkeitspraxis im Alltag, die nach Abschließen des Acht-Wochen-Programms selbstständig aufrecht erhalten werden kann. Dafür sind die Hinweise auf regelmäßiges Üben und das Normalsein des Scheiterns motivierend und kommen nie mit erhobenem Zeigefinger daher.
Nach dem Kursprogramm folgt ein Teil zur weiterführenden Achtsamkeitspraxis, der vertieft auf Körper, Gefühle und Gedanken in der Achtsamkeit eingeht und anschließend vertieft Aspekte der Achtsamkeit für den therapeutischen Alltag und den Umgang mit Patienten aufgreift. Als Abschluss enthält das Buch ein Kurzmanual für den Acht-Wochen-Achtsamkeitskurs in Gruppen als Intervisionsansatz. Hier werden gut strukturierte Anleitungen für mindestens 90minütige Gruppensitzungen geliefert, die meist aus den gleichen Übungen und Inhalte wie der Einzelkurs bestehen. Vorschläge für Themen zur Gruppenarbeit fördern hier den Austausch und regen Gespräche mit Kollegen an, die so sicherlich positiv zur eigenen Entwicklung von Achtsamkeit beitragen. Achtsamkeit im Gespräch kann so vorbereitend für die eigenen Tätigkeit erprobt werden und durch gegenseitige Unterstützung und Rückmeldung gesichert werden.