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Drogenstatistik

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Medikamente

Quelle: Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren (DHS)
Begriffsbestimmung und Wirkung

Medikamente sind synthetische oder natürliche Stoffe, mit denen die Beschaffenheit, der Zustand oder die Funktion des menschlichen Körpers bzw. seelischer Zustände im heilenden Sinne beeinflußt werden kann. Wer Medikamente zwanghaft und fortgesetzt ihrer seelischen Wirkung wegen einnimmt, ist abhängig.

Oft wird das (spätere) Suchtmittel während einer ärztlichen Behandlung kennengelernt, und die Einnahme erscheint auch bei selbständiger Fortsetzung "legitimiert". Medikamentenabhängigkeit bleibt in der Regel lange ohne Behandlung.

Für Medikamente mit Suchtpotential sind im wesentlichen 4 Medikamentengruppen zu benennen:

  • Schmerzmittel (Analgetika)
  • Dämpfende Mittel und Schlafmittel (Sedativa, Hypnotika)
  • Entspannungs- und Beruhigungsmittel (Tranquilizer)
  • Aufputschmittel (Stimulantien, zentral-erregende Mittel)

Benzodiazepinhaltige, Tranquilizer und Hypnotika, gehören zu den meistverordneten Arzneimitteln in Deutschland. Trotz einer rückläufigen Tendenz werden in der Bundesrepublik noch 831 Mio. Tagesdosierungen (DDD) im ambulanten Versorgungsbereich verordnet. Dieser Rückgang beim Gebrauch Benzodiazepin-haltiger Mittel ist auf der anderen Seite mit einem Anstieg, vor allem bei den Antidepressiva und Neuroleptika, gekoppelt. Bei diesen Mitteln ist seit 1992 eine auffällige Zunahme erkennbar.

Tabelle 1: Ärztliche Verordnungen von Benzodiazepinen, Neuroleptika und Antidepressiva (Tagesdosierungen) zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung (ohne Verschreibungen auf Privatrezepten) 

Jahr Benzodiazepine
Neuroleptika
Antidepressiva
1992 765 Mio. 312 Mio. 279 Mio.
1993 665 Mio. 331 Mio. 269 Mio.
1994 602 Mio. 336 Mio. 296 Mio.
1995 583 Mio. 355 Mio. 326 Mio.
1996 579 Mio. 356 Mio. 328 Mio.
1996 579 Mio. 356 Mio. 328 Mio.

Quelle: Jahrbuch Sucht 1998.

1997 wurden über die Apotheken 1,609 Milliarden Packungen Arzneimittel verkauft. Der gesamte Umsatz betrug rund 49 Milliarden DM. Der größte Anteil des Umsatzes ging zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung, d. h. 33,35 Milliarden DM wurden in diesem Bereich für 824 Millionen Packungen verordneter Arzneimittel ausgegeben. Der größte Teil der übrigen Packungen, nämlich rund 36 % oder 580 Mio. Packungen, entfiel auf den Bereich der Selbstmedikation und damit auf den direkten Einkauf in der Apotheke ohne ein ärztliches Rezept. Der Umsatz betrug hier 7,7 Milliarden DM. Die Selbstmedikation hat damit einen Anteil von 18 % am Apothekenumsatz erreicht.

Etwa 6 bis 8 % aller vielverordneten Arzneimittel besitzen ein eigenes Suchtpotential. Die betreffenden psychotropen Arzneimittel (also Mittel mit Wirkung auf die Psyche) wie z.B. Schlafmittel (Hypnotika) und Tranquilizer von Benzodiazepin-Typ und Barbituratsäure-Typ, zentral wirkende Schmerzmittel, codeinhaltige Medikamente oder auch Psychostimulantien, sind allesamt rezeptpflichtig. Die Prävention gegen Mißbrauch und Abhängigkeit wird bereits auf der Verschreibungsebene vernachlässigt - möglicherweise auch, wie pharmakologische und pharmakodynamische Charakteristika der jeweiligen Arzneimittel nicht ausreichend berücksichtigt werden oder überhaupt nicht bekannt sind. Dies mag einer der Gründe für etwa 1,5 Millionen Arzneimittelabhängige in Deutschland sein.

Tabelle 2: Verkauf benzodiazepinhaltiger Arzneimittel in Deutschland 1997

Handelsname Wirkstoff
Verkaufte
Packungen
Wirktyp
Wirkdauer
Adumbran Oxazepam
2,40 Mio.
Tranquilizer
mittel
Diazepam Ratiopharm Diazepam
2,30 Mio.
Tranquilizer
lang
Rohypnol Flunitrazepam
2,00 Mio.
Hypnotikum
lang
Noctamid Lormetazepam
1,70 Mio.
Hypnotikum
mittel
Radedorm Nitrazepam
1,50 Mio.
Hypnotikum
mittel
Tavor Lorazepam
1,30 Mio.
Tranquilizer
mittel
Musaril Tetrazepam
1,10 Mio.
Relaxans
mittel
Lendormin Brotizolam
1,00 Mio.
Hypnotikum
kurz
Oxazepam Ratiopharm Oxazepam
0,95 Mio.
Tranquilizer
mittel
Normoc Bromazepam
0,90 Mio.
Tranquilizer
mittel
Faustan Diazepam
0,83 Mio.
Tranquilizer
lang
Lexotanil Bromazepam
0,80 Mio.
Tranquilizer
mittel
Bromazanil Bromazepam
0,79 Mio.
Tranquilizer
mittel
Remestan Temazepam
0,76 Mio.
Hypnotikum
mittel
Halcion Triazolam
0,70 Mio.
Hypnotikum
kurz

Quelle: Jahrbuch Sucht 1998.

Der Verbrauch von Schmerzmitteln in der Selbstmedikation ist sicherlich auch beeinflußt durch Laienwerbung, wobei die Fernsehwerbung aufgrund vieler Untersuchungen den höchsten Effekt aufweist. Etwa 1 Millarde DM haben sich pharmazeutische Hersteller die Werbung für rezeptfreie Arzneimittel 1996 kosten lassen, davon entfielen 140 Mio. DM auf die Werbung für rezeptfreie Schmerzmittel. Eine besonders große Bedeutung für die zukünftige Entwicklung kommt der Einnahme von Arzneimitteln bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu.

Besonders auffällig ist der steigende Schmerzmittekonsum bei Kindern und Jugendlichen. Unter den Versicherten der gesetzlichen Krankenversicherung (GVK) bekommen Kinder bis zum 5. Lebensjahr im Durchschnitt eine Tablettenmenge verordnet, die genauso hoch ist wie die Verordnungsmenge für die 45 - 49jährigen Versicherten. Darunter werden Schmerzmittel so häufig verordnet wie niemals mehr sonst im späteren Leben.

Tabelle 3: Prävalenz der häufigen Einnahme von Medikamenten nach Alter und Geschlecht in Deutschland 1995   

  21 - 24 Jahre 25 - 29 Jahre 30 - 39 Jahre 40 - 49 Jahre 50 - 59 Jahre
Männer 6,70% 10,5% 9,30% 13,6% 19,8%
Frauen 13,5% 14,1% 16,0% 20,2% 28,5%

Quelle: Simon, R. (u.a.): Suchtbericht Deutschland 1997.

November 26, 2010 von admin

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