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Phytotherapie

Naturheilverfahren, Pflanzenheilkunde, Pflanzentherapie, Phytotherapie  

Pflanzentherapie

Die Phytotherapie oder Pflanzenheilkunde ist die Wissenschaft, die sich mit der Anwendung pflanzlicher Heilmittel am kranken Menschen befaßt. Heilpflanzenkunde (Arzneipflanzenlehre) ist der Oberbegriff für das Gesamtgebiet der Lehre von den Arzneipflanzen. Die Heilpflanzenkunde unterteilt sich in folgende Einzelgebiete:

  • die Phytochemie, die sich mit der chemischen Struktur und den Eigenschaften der pflanzlichen Stoffe beschäftigt,
  • die Photopharmazie oder Phytopharmkognosie, als Lehre von den Arzneidrogen,
  • die Photopharmakologie, als Wissenschaft, die die Wirkung der Arzneidrogen untersucht und die
  • Phytotherapie

Die Arzneimittel der Phytotherapie werden als Phytotherapeutika oder Phytopharmaka bezeichnet. Phytopharmaka sind Medikamente, die aus Heilpflanzen oder Teilen von ihnen hergestellt werden. Während im allgemeinen Sprachgebrauch unter dem Begriff Droge suchterzeugende Rauschmittel verstanden werden, werden in der Pflanzenheilkunde mit dem Begriff Droge (Arzneidroge) getrocknete Pflanzenteile sowie aus Pflanzen gewonnene Produkte wie z. B. ätherische Öle und Harze bezeichnet. Der Begriff Droge wurde bereits in der Antike verwendet und stammt vermutlich von droog, dröge (trocken).

In der Phytotherapie werden die Pflanzen nach ihrer Wirksamkeit in drei Arten unterteilt:

  • Phyototherapeutika mit milder Wirkung: Mite-Phytotherapeutika wie z. B. Baldrian und Melisse
  • Phytotherapeutika mit starker Wirkung: Forte-Phytotherapeutika wie z. B. Opium, der getrocknete Milchsaft aus dem Schlafmohn
  • Pytotherapeutika mit mittlere Wirkung: alle anderen Phytotherapeutika

Für die Herstellung von Phytopharmaka werden u. a. die ganze Pflanze, die Blüte, das Blatt, die Wurzel, die Frucht und/oder der Samen verwendet. Dabei ist grundlegendes Prinzip, möglichst viele Wirkstoffe gleichzeitig zu gewinnen. Hochgereinigte Aufbereitungen mit im Extremfall nur noch einer Wirksubstanz oder synthetisch hergestellte Äquivalente sind keine Phytopharmaka im Sinne der obigen, allgemein anerkannten Definition.

In der Therapie mit Heilpflanzen sind innere und äußere Anwendungsformen zu unterscheiden. Pflanzliche Arzneimittel für den inneren Gebrauch sind z. B. Tees, Tropfen, Pillen oder Pulver. Zu äußerlichen Anwendung kommen u. a. Pflanzenextrakte oder Zusätze in Salben und Cremes. Um eine optimale Wirkung zu erzielen, gibt es klare Regeln der Rezeptur. Das Grund- oder Basismittel (Hauptwirkstoffe, Effektoren) bestimmt das Einsatzgebiet und die Wirkung der Pflanze, die durch das Adjuvans (Nebenwirkstoffe, Koeffektoren) verstärkt oder ergänzt wird. Koeffektoren tragen oft ganz wesentlich zur Gesamtwirksamkeit bei, da sie z. B. stabilisierende oder resorptionsfördernde Wirkungen haben.

Die Phytotherapie ist ein wissenschaftlich anerkanntes Naturheilverfahren. Die Verwendung von Phytopharmaka in der Behandlung wird daher zu Unrecht als "alternative Therapierichtung" bezeichnet, da einige der alternativen Therapiemethoden bislang keine wissenschaftliche Grundlage haben. Die Phytotherapie (Behandlung mit Arzneipflanzen-Zubereitungen), wie sie z. B. von der Gesellschaft für Phytotherapie vertreten wird, ist daher weder eine besondere Therapierichtung noch eine alternative Therapierichtung, sondern integraler Bestandteil einer wissenschaftlich fundierten Pharmakotherapie. In Deutschland wird die Wirksamkeit, Anwendung und Darreichung der Phytopharmaka durch eine Expertenkommission untersucht, die durch das deutsche Bundesgesundheitsministerium ins Leben gerufen wurde. Die Untersuchungsergebnisse dieser Kommission werden in Berichten veröffentlicht. Die Experten stellen sogenannte Negativlisten auf, in denen Phytopharmaka benannt werden, deren Verwendung in Arzneimitteln negativ beurteilt wird.

Phytopharmaka (pflanzliche Naturheilmittel, pflanzliche Drogen) werden wie andere Arzneimittel von den Krankenversicherungsträgern anerkannt und können mit ihnen abbrechend werden. Phototherapeutika haben eine hohe Therapiesicherheit, eine große therapeutische Bandbreite und ein günstiges Nutzen-Risiko-Verhältnis ohne große Nebenwirkungen, wie sie z. B. bei einigen chemischen Arzneimittel vorkommen. Phytotherapie ist keine Alternative zur Therapie mit synthetischen Arzneimitteln. Phytotherapie ist vielmehr als sinnvolle Ergänzung zur Behandlung mit synthetischen Monopräparaten, vor allem bei der Behandlung nicht lebensbedrohender Erkrankungen, insbesondere aber bei chronischen Gesundheitsstörungen, wie aber auch als Möglichkeit zum Einsatz als Alleinbehandlung bei ausgewählten Indikationen (z. B. Erkältungskrankheiten, Magen-Darmstörungen) und zur Erhaltung der Gesundheit.

Nach Richter (1998) eignen sich Phytotherapeutika insbesondere zur Behandlung leichter Erkrankungen und Störungen der Allgemeinbefindlichkeit, oft aber auch bei chronischen Leiden. Der Begriff "pflanzlich" ist aber nicht in jedem Fall mir "harmlos" gleichzusetzen. Auch von Phytotherapeutika können starke Wirkungen und vor allem bei längerem oder unsachgemäßem Gebrauch Nebenwirkungen ausgehen.

November 26, 2010 von admin