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Kinesiologie

Kinesiologie, Kinesiologiezweige, Muskeltest, Muskeltests  

Kinesiologie

Der Begriff Kinesiologie stammt von dem griechischen Wort "Kinesis" und bedeutet Bewegung. In der Medizin steht Kinesiologie für physiologische Reflexentwicklung. Angewandte Kinesiologie dagegen ist nach Richter (1998) "ein Kommunikationssystem zwischen dem inneren Wissen eines Menschen und seinen Energie- und Funktionssystemen." Zentrales Instrument der Angewandten Kinesiologie ist der Muskeltest, ein kostenloses, aussagekräftiges und jederzeit zugängliches Biofeedbackwerkzeug.

Die Kinesiologie wurde in den 60er Jahren durch den amerikanischen Chiropraktiker Dr. George Goodheart entwickelt, der bei seinen Untersuchungen über Muskeltests u. a. die energetische Verbindung zwischen Muskeln und bestimmten Meridianen entdeckte. Goodheart kombinierte die eigenen Forschungsergebnisse mit Erkenntnissen von Head über den "viscero-cutanen Reflex" und Mackenzie über den "viscero-myotonen Reflex", Erkenntnissen der Akupunktur (Energiehypothese), der chinesischen 5-Elemente-Lehre sowie der Ernährungs- und Bewegungslehre und entwickelte daraus eine ganzheitlich orientierte Diagnose- und Therapiemethode. Das System heißt "Applied Kinesiology", eine von Ärzten ausgeübte medizinisch wissenschaftliche Richtung für Diagnose und Therapie Richter (1998).

Im Jahre 1974 gründeten Goodheart und einige seiner ersten Schüler das International College of Applied Kinesiology (ICAK), die erste internationale Organisation zur Förderung von Forschung und Lehre auf dem Gebiet der Applied Kinesiologie (AK). Ein Jahr zuvor veröffentlichte John Thie, einer der engsten Kollegen Goodhearts, das Buch Touch for Health (TFH), mit dem Ziel, Patienten und anderen interessierten Laien, die Grundzüge der neuartigen Methode zu erklären. In den Folgejahren bildeten John Thie und Sheldon Deal TFH-Lehrer auf der ganzen Welt aus. Seit dieser Zeit hat sich die AK auf viele andere Bereiche, wie das nervale, das vaskuläre und das lymphatische System, die Orthomolekularmedizin, und die Craniosacrale Osteopathie ausgeweitet. Es entstand ein Netz kinesiologischer Entwicklungszweige.

Die Angewandte Kinesiologie in Europa unterscheidet sich nach Richter (1998) ganz wesentlich von dem System der Applied Kinesiologie (Amerika), da unter dem Begriff "Angewandte Kinesiologie" auch Kinesiologiezweige zusammengefaßt werden, die "weit über die ursprüngliche Applied Kinesiologie hinausgehen und wegen unwissenschaftlicher Komponenten nicht im schulmedizinischen Sinne als Diagnosemittel verwendbar sind".

Ziel der kinesiologischen Behandlung ist die Aktivierung der Selbstheilungskräfte des Körpers und die Wiederherstellung eines gesunden Energieflusses (Lösung von Blockaden durch Energieausgleich). Basiswerkzeug der Kinesiologie ist der Muskeltest, bei die verschiedenen Muskeln und/oder Muskelgruppen auf ihre "Verriegelung" oder "Entriegelung" geprüft werden. Auf diese Weise werden je nach Muskel/Muskelgruppe körpereigene Rückmeldungen erhalten, die u. a. Rückschlüsse auf mögliche Energieblockaden in dem zugehörigen Meridian, dem zugehörigen Organ aber auch auf biochemische, biomechanische Mangelzustände und psychische Probleme, erlauben. Da die Auswertung der körpereigenen Rückmeldungen durch viele Faktoren beeinflußt werden kann, ist ein Muskeltest nicht immer objektiv. Daher eignet sich die angewandte Kinesiologie nicht als alleiniges Diagnosemittel, d. h. insbesondere bei ernsthaften Erkrankungen müssen u. a. eine gründliche Anamnese, körperliche Untersuchungen sowie Laborergebnisse oder Röntgenbilder miteinbezogen werden.

Wegen der zuvor angesprochenen Vielfalt kinesiologischer Entwicklungszweige, bildeten B. und J. Dewe ein Dachsystem zur Integration und Zusammenfassung sämtlicher Kinesiologiezweige. Mit einer Ausbildung nach diesem Dachsystem, die zum Abschluß als "Professional Kinesiology Practitioner" (PKP) führt, besteht die Möglichkeit, auf jeder Ebene der Gesundheit und Persönlichkeitsentwicklung zu arbeiten. Weitere Richtungen sind:

  • Touch für Health (Gesund durch Berühren)
  • Three in One Concepts und Psychologische Kinesiologie (Arbeit auf emotionaler/mentaler Ebene)
  • Applied Physiology und Neuralkinesiologie (Arbeit auf der körperlich-funktionellen Ebene)
  • Health Kinesiologie (Arbeit auf den Gebieten Allergien, Geobiologie und Psychologie)
  • Edu-Kinesiologie und Entwicklungskinesiologie (Arbeit in den Bereichen Lern- und Entwicklungsprobleme)
  • Sportkinesiologie und Hyperton-X (Arbeit in den Bereichen körperliche Leistungssteigerung, Sportlerbetreuung)

Ein Zitat von den Internetseiten des Freiburger Instituts für Angewandte Kinesiologie: "Die AK betrachtet den Menschen ganzheitlich, im Hinblick auf alle Aspekte seines Wesens, also strukturelle, biochemische und psychische (emotionale, mentale) Komponenten der Gesundheit. AK steht nicht unter dem Einfluß einer bestimmten Philosophie; sie ist offen für alle Quellen, aus denen dem Menschen Hilfe für sein Wohlergehen erwachsen kann. Der Hauptvorzug der AK liegt darin, dass sie dem Körper erlaubt, unmittelbar mitzuteilen, was zur Behebung eines bestimmten Problems oder zur Erreichung eines bestimmten Ziels getan werden kann. So wird sichergestellt, dass nur die jeweils angemessenen, vom Körper geforderten und akzeptierten Maßnahmen ergriffen werden; er gibt vor, was wann wo und in welcher Reihenfolge getan werden soll. Dieses Vorgehen verhilft dem Betroffenen zu größerer Autonomie und erhöhter Selbstorganisation."

November 26, 2010 von admin